Das gilt für alle: Eigentum verpflichtet

Drittes Kohlegespräch beleuchtete die Rolle von RWE im Rheinischen Revier

Dr. Manfred Körber und Markus Dufner (c) Thomas Hohenschue
Dr. Manfred Körber und Markus Dufner
Mo 11. Feb 2019

Eigentum verpflichtet. Das gilt im Großen wie im Kleinen. Diesen Fokus brachte der Gast des dritten „Kohlegesprächs“ im Nell-Breuning-Haus ins Spiel: Markus Dufner von den Kritischen Aktionärinnen und Aktionären. So beleuchtete er die Rolle und die Verflechtungen des Energiekonzerns RWE in der Region und hinterfragte zugleich, wie sich die katholische Kirche im Kohlekonflikt aufstellt.

 

Mit ein paar Aktien in der Hinterhand mischt der Dachverband so manche Hauptversammlung eines deutschen Konzerns mit eigenen Redebeiträgen, Anträgen, Kampagnen auf. Insgesamt fühlen die Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre auf diese Weise 30 Konzernen auf den Zahn. Auch die Hauptversammlungen der RWE AG besuchen sie und das bereits seit den 90-er Jahren.

Dufner legte Zahlen vor: RWE beschäftigt rund 60.000 Leute und deckt mit der Produktion von etwa 200 Milliarden Kilowattstunden Strom 12 Prozent des bundesdeutschen Stromverbrauchs ab. Mehr als 100 Kommunen halten ein Viertel der Aktien. Die Erträge aus den Dividenden sind fest in den kommunalen Haushalten eingeplant, Geschäftsrückgänge schlagen sich empfindlich nieder.

Die Kritik des Dachverbandes an RWE erstreckt sich auf viele Aspekte. Zum einen rücken die Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre unmittelbar die Klimafolgen, die Umweltzerstörung und die Gesundheitsgefährdung durch Abbau und Verstromung von Kohle in den Blick. Zum anderen kritisieren sie Zwangsumsiedlungen im Rheinischen Revier und die Zerstörung von Kulturgütern.

Hinzu kommen internationale Aspekte. So importiert RWE zwecks Verstromung billige Steinkohle aus Abbaugebieten, in denen Menschenrechte verletzt werden. Beispielhaft nannte Dufner die „Blutkohle“ aus Kolumbien. Wo diese Kohle herkommt, werden Menschen mit Gewalt aus ihrer Heimat vertrieben und Menschenrechtsaktivisten, die das anprangern, werden ermordet.

Im Rheinischen Revier gehe der politische Streit momentan darum, möglichst viele Fördergelder für den Strukturwandel abzuschöpfen. Wohin werden diese Gelder fließen? Wie hoch wird der Anteil sein für die Entschädigung, die RWE für das frühzeitige Abschalten seiner Kraftwerke erhalten wird? Werden die Kommunen, die Aktien am Konzern halten, andere Antworten geben als andere?

Aber auch die Rolle der katholischen Kirche als Eigentümer von Grundstücken wurde bei diesem dritten Kohlegespräch hinterfragt. Nutzen sowohl die direkt beteiligten Kirchengemeinden als auch das Bistum als Aufsichtsbehörde ihre Möglichkeiten, auf die Situation und die Entwicklung Einfluss zu nehmen? Eigentum verpflichte auch die Kirche – sage nicht zuletzt das Evangelium, betonte Dufner.