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Abschlusskonferenz von „Mind the Gap“ am 13. und 14. Oktober 2026:Die Zivilgesellschaft am Strukturwandel beteiligen? Da gilt: langfristig finanzieren, Vernetzung ermöglichen, Zugänge öffnen

Drei Personen an Tischen vor einem Publikum.
Der Strukturwandel im Rheinischen Revier ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Wer redet mit, in welche Richtung die Reise geht? Die Zivilgesellschaft birgt unerhörte Potenziale. Das gilt erst recht für die Stimmen der Jugend.
Datum:
16. Okt. 2026
Von:
Thomas Hohenschue

Themen einer intensiven Konferenz zum Abschluss des Projektes "Mind the Gap" am 13. und 14. Oktober 2026. Fünf Beteiligungslücken hatten Forschende von der Ruhr-Universität Bochum gemeinsam mit dem Nell-Breuning-Haus identifiziert, diskutiert und finalisiert formuliert.  Sie betrafen die Zugänge zu Infrastrukturen und Gremien, Förderprogrammen und Finanzierungen, zu Immobilien als Orten des Diskurses und zur künftigen Geschichtsschreibung. In Herzogenrath wurden nun die Fäden zusammengezurrt und eine weitere Beteiligungslücke besprochen: die erst anfanghafte Partizipation von jungen Menschen.

Forschungsleiter Dr. Jan-Hendrik Kamlage stellte die Ergebnisse des Projekts vor. Dessen Zielhorizont lässt sich so skizzieren: gemeinsame Strategien für mehr Beteiligung und Demokratie im Strukturwandel entwickeln und die Rolle von politischer Bildungsarbeit in diesem Zusammenhang ausleuchten. Der Leitfaden, der daraus entstanden ist, empfiehlt sich als Blaupause für politische Bildung in der tiefgreifenden Transformation, in der sich viele Regionen Deutschlands befinden. Das gilt ungeachtet der Beobachtung, dass das Rheinische Revier die Chance zu verpassen scheint, sich als Modellregion für zivilgesellschaftliche Partizipation zu profilieren.

 

Gefordert ist ein integriertes Unterstützungsmodell

Was nun also braucht es, damit die Zivilgesellschaft ihre gewaltigen Ressourcen an Ideen, Know-how und Mitarbeit in die regionale Entwicklung einbringen kann? Dr. Jan-Hendrik Kamlage subsumierte es unter drei große Linien: langfristig finanzieren, Vernetzung ermöglichen, Zugänge öffnen. Ausgangspunkt für diese Empfehlungen ist die Beobachtung, dass hinter dem Begriff Zivilgesellschaft vielfältigste Verbände, Vereine und Initiativen stehen, bislang häufig unverbunden, in der Regel unterfinanziert, in politischen Gremien unterrepräsentiert. Um mehr Wirkmacht über das Lokale hinaus zu gewinnen, braucht es Verbindung.

Es gilt stabile und unbürokratische Rahmenbedingungen für zivilgesellschaftliche Beteiligung am Strukturwandel zu schaffen. Dr. Jan-Hendrik Kamlage fasste diese Erkenntnis des Projekts "Mind the Gap" in der Formulierung "Integriertes Unterstützungsmodell" zusammen. Das meint konkrete Maßnahmen wie eine auskömmliche Grundfinanzierung von zivilgesellschaftlichen Organisationen und Orten, digitale und analoge Plattformen für Austausch, Wissen und Koordination sowie niedrigschwellige Förderung kleiner Gruppen, Initiativen und Vorhaben mittels eines Mikrofonds.

 

Die Weichen jetzt stellen, bevor Strukturhilfen verplant sind

Diese Schlussfolgerungen und Forderungen erwiesen sich bei der Konferenz als anschlussfähig. Methodisch konnte sich auch Dr. Daniel Faustus von der Landeszentrale für politische Bildung einhaken, entlang der Logik der Demokratiewerkstätten, die sein Haus auch im Rheinischen Revier fördert. Finanziell sah der Gast aus Düsseldorf keine so guten Vorzeichen für eine verstärkte Unterstützung der Zivilgesellschaft, angesichts der gewaltigen Probleme in den öffentlichen Haushalten. Umso bedeutsamer ist auch ihm die Förderung der digitalen Vernetzung, um Ressourcen zu bündeln und besser zugänglich zu machen.

Das Team der Ruhr-Universität Bochum und das Nell-Breuning-Haus werden die Ergebnisse des Projekts "Mind the Gap" im Düsseldorfer Landtag präsentieren. Bis zum Auslaufen der Strukturhilfen im Jahr 2036 ist nicht mehr viel Zeit, um die Weichen in Richtung einer tieferen und nachhaltigen Beteiligung der Zivilgesellschaft zu stellen. Erste Schritte sind getan, die allerdings stark in der Logik einer vereinzelten, projektbezogenen Partizipation feststecken. Ob noch ein größerer Wurf gelingt, bevor alle Fördermilliarden verplant sind, lautet die Frage, die jetzt auf dem Tisch liegt.

 

Jugendverbände und Jugendringe ins Netzwerk einflechten

Umso mehr rütteln dieser Befund und dieser Auftrag auf, wenn man sich eine drastische Tatsache vor Augen hält: Die Bevölkerungsgruppe, die in besonderer Weise von den heutigen Entscheidungen betroffen ist, weil sie noch viele Jahrzehnte in dieser Region lebt, redet und entscheidet nicht mit. Die wenigen Versuche, die Meinung, Interessen und Ideen junger Menschen einzuholen, blieben punktuell, fragmentiert, machtlos und fanden häufig wenig Zuspruch. Wenn man Gelingensbedingungen von Partizipation danebenlegt, verwundert der Befund wenig. Zugleich helfen gegenseitige Schuldzuweisungen wenig weiter.

Auch hier braucht es ein Aufsetzen auf bestehende Strukturen, aktiv eingebettet in das anzustrebende zivilgesellschaftliche Netzwerk im Rheinischen Revier. Mögliche, durchaus starke Partner in diesem Prozess könnten Jugendverbände und Jugendringe sein, wie Jasmin Könes von der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendringe Nordrhein-Westfalen betonte. Sie stellte die unabhängige, regelfinanzierte, demokratisch geprägte Struktur der kommunalen Jugendbeteiligung vor. Ihr Plädoyer für Kooperation thematisierte eine Blindstelle, die auch in der Landschaft zivilgesellschaftlicher Organisationen besteht. Diese Beteiligungslücke gilt es zu schließen.

 

Impressionen von der Abschlusskonferenz des Projektes „Mind the Gap“

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