Dialog zwischen ost- und westeuropäischen Gewerkschaften bei EZA-Seminar in Sofia:Gewerkschaften tragen als zentraler Bestandteil der Zivilgesellschaft zur Stabilisierung der Demokratien in Europa bei

Neben einer Verständigung der Teilnehmenden aus Rumänien, Bulgarien, Deutschland, Belgien und Österreich über aktuelle geopolitische, technische und klimapolitische Trends ging es auch um konkrete Praxisformen in den einzelnen Ländern.
So tragen Gewerkschaften zur Stabilisierung der Demokratien in Europa bei. Gerade in osteuropäischen Ländern, wie Bulgarien und Rumänien, bilden sie einen zentralen Bestandteil der Zivilgesellschaft. Sie leisten einen unmittelbaren Beitrag zur Armutsbekämpfung in ihren Ländern u.a. durch ihren Einsatz für Mindestlöhne und soziale Sicherungssysteme. Eindrucksvoll – so sozialwissenschaftliche Untersuchungen – zeigt das Beispiel Rumänien, wie Billiglöhne und Schattenwirtschaft bekämpft werden können, um mehr Arbeits- und Lebensqualität für die eigene Bevölkerung zu schaffen.
In dem Dialog zwischen ost- und westeuropäischen Gewerkschaften ging es auch um Fragen der Arbeitsmigration. Die Abwanderung von Arbeitskräften etwa aus Rumänien oder Bulgarien in den Westen ist eine Herausforderung, der entgegengewirkt werden muss, um einen Kollaps der Länder zu verhindern. Aus westeuropäischer Perspektive wiederum stehen die unwürdigen Lebens- und Arbeitsbedingungen der Wanderarbeiter*innen in Deutschland oder Belgien im Zentrum. Hier berichteten die belgischen Kolleg*innen von ihren Aktivitäten zur Verbesserung der unwürdigen Wohnbedingungen von Arbeitsmigranten sowie vom Ausnutzen derer prekären Lage im Dreiländereck von Deutschland, Belgien und den Niederlanden.
Mit Blick auf Deutschland alarmierte Tim Lösch von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss und Gaststätten, wie jahrzehntelang etablierte Schutzrechte für Arbeitnehmer*innen durch den politischen Mainstream zur Disposition gestellt werden. Sich gegen Vorstöße zur Aufweichung von Schutzrechten, wie z.B. dem Acht-Stunden-Tag, einzusetzen ist daher elementar, zumal der Angriff auf diese Rechte in denjenigen Branchen geschieht, die nur über einen geringen gewerkschaftlichen Organisationsgrad verfügen. Hier braucht es Solidarität untereinander und auf europäischer Ebene.
Die Vielfalt der Themen und Aufgaben zeigt, wie groß die Herausforderungen der gewerkschaftlichen Arbeit in Europa sind. Sie zeigt auch, wie notwendig der soziale Dialog und die Verständigung über konkrete Praxisfelder sind. Dazu lieferte die Konferenz wichtige Impulse.


