Nachlese zum 1. Workshop der Reihe „Mind the Gap - Beteiligungslücken im Strukturwandel“:Wie kommt man vom Kleinklein lokaler oder gruppenbezogener Projekte zu gemeinsamen regionalen Perspektiven?

Die aktuelle Form, den Strukturwandel zu gestalten, verharrt in überkommenen Mustern, wonach Gestaltungsmacht nicht gerne geteilt wird, wenn man sie schon hat. Zugleich gewinnt der Gedanke der Beteiligung der Bevölkerung an den Fragen, die sie betreffen, immer mehr Gewicht. Welche Rolle können Einrichtungen der politischen Bildung, Verbände, lokale Vereine und Initiativen bei dieser Entwicklung spielen und was brauchen sie dafür?
Nele Steffen vom Netzwerkbüro Bildung Rheinisches Revier leuchtete das Feld auf Basis von eigenen Erhebungen aus. Das kommunale Bildungsmonitoring erfasst viele Akteure nicht und erst recht gibt es auf regionaler Ebene keine systematisch gepflegte Datenbasis. Das ist symptomatisch für mehreres. Zum einen gibt es bislang keine Förderstruktur, die auf regionaler Ebene kleinräumige Initiativen einbindet. Zum anderen sind die Akteure selbst eher ansatzweise vernetzt, agieren meist lokal, haben nur einzelne Gruppen im Blick.
So braucht es wohl dringend einen Impuls, ein gemeinsames Dach für die mehr als 200 zivilgesellschaftlichen Akteure im Rheinischen Revier zu bilden. Das würde auch die Repräsentationslücke in regionalen Gremien überwinden helfen, so eine Einschätzung beim Workshop. Mandatierte Personen aus einer echten Dachorganisation hätten ein anderes Gewicht bei der Vertretung als einzelne Akteure, zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.
Als Katalysatoren für forciertes zivilgesellschaftliches Engagement im Strukturwandel kamen so genannte "Dritte Orte" wie Gleis 11 in Bergheim zur Sprache. Dort entsteht im Miteinander verschiedener Milieus so manches Unverhofftes und Neues, das die Diskussion um regionale Entwicklung bereichern kann. Und es braucht neue Förderlogiken und Förderinstrumente, die den Aufbau von Netzwerken und vernetzten Projekten mit langem Atem unterstützen.
So kann der Qualitätssprung bei der Beteiligung der Zivilgesellschaft gelingen - weg von eher formalen Verfahren, die informieren und konsultieren, hin zu partizipativen Verfahren, die Mitwirkung auf Augenhöhe oder völlig selbstorganisiert absichern. Bei allem Engagement von Menschen, die sich in kommunalen und regionalen Institutionen engagieren, stehen Beharrungskräfte bei mächtigen Interessengruppen diesem Fortschritt entgegen.
Was kann die Zivilgesellschaft selbst beitragen, um die Beteiligungslücken zu überwinden, die im Strukturwandel sichtbar sind? Viel Stoff zum Weiterdenken und Weiterdiskutieren bei den übrigen vier Teilen der Workshopreihe "Mind the Gap". Der Auftakt brachte schon einmal die Musik zum Klingen, die im Thema steckt. Als nächstes steht das Verhältnis von Kommunen und Zivilgesellschaft auf dem Prüfstand. Wo geht was und wo geht was nicht - und wie kann man sich aufeinander zu bewegen?