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Nachlese zum 4. Workshop der Reihe „Mind the Gap - Beteiligungslücken im Strukturwandel“:Für die Zukunft der Zivilgesellschaft im Rheinischen Revier: Aus dem Nebeneinander ein Miteinander formen

16.04.2026 Zivilgesellschaftliche Netzwerke / Infrastruktur
Für die Zukunft der Zivilgesellschaft im Rheinischen Revier: Aus dem Nebeneinander ein Miteinander formen
Datum:
16. Apr. 2026
Von:
Thomas Hohenschue

Für die Zukunft der Zivilgesellschaft im Rheinischen Revier: Aus dem Nebeneinander ein Miteinander formen

 

Es ist nicht vermessen zu behaupten: Es gibt niemanden im Rheinischen Revier, der völlig überblickt, welche Menschen und Gruppen sich für eine lebenswerte, nachhaltige Zukunft der Region engagieren. Das ist einerseits ein gutes Zeichen, es zeigt, wie stark der ideelle Einsatz für kulturelle, soziale und ökologische Ziele in der Bevölkerung verankert ist. Andererseits schwächt das mangelnde Wissen voneinander die Rolle und Wirkkraft der Zivilgesellschaft im Strukturwandel. Diese Beteiligungslücke stand im Mittelpunkt des vierten Workshops von "Mind the Gap".

Die Erkenntnis, dass es mehr braucht als ein Nebeneinander, liegt in der Luft. Verschiedene Akteure unternehmen Anläufe, das gesehene Defizit zu bearbeiten. Eine Auswahl an Beispielen: Kirchen, Gewerkschaften und Umweltverbände formen das Bündnis "RevierWIRdRegion". Das Netzwerkbüro Bildung Rheinisches Revier erarbeitet Übersichten. Die Verbraucherzentrale NRW engagiert sich stark in Vernetzung und Bündelung. Viele wertvolle Verbindungen entstehen durch die kulturellen und historischen Projekte des Landschaftsverbandes Rheinland.

Auch entstehen Orte, an denen sich zivilgesellschaftliche Initiativen treffen. Auf diesem Gebiet engagiert sich ebenfalls der Naturschutzverband NABU NRW, bei dem Impulsgeber Linus Platzer arbeitet. Bei seinem Überblick über all diese Versuche wurde eines deutlich: Kein Vorhaben ist so angelegt, das bürgerschaftliche Engagement in seiner Gänze zu erfassen und zu vernetzen. So etwas aber braucht es, um ein Gegengewicht zu den starken Playern im Strukturwandel aufzubauen und wirksam nachhaltige Akzente in die politische und administrative Gestaltung des Strukturwandels einzubringen. 

Grundsätzlich geht das, auch in einem Braunkohlerevier. Das zeigt das Vorbild der Bürgerregion Lausitz. Das ist ein Netzwerk zivilgesellschaftlicher Organisationen, das eine Infrastruktur für bürgerschaftliche Beteiligung aufgebaut hat, mit Trägerverein und Geschäftsstelle, an mehreren Standorten vertreten. Die Bürgerregion Lausitz berät und vernetzt, informiert und ermutigt - und es mischt sich in die politische Diskussion ein. Eine solche Dachstruktur fehlt im Rheinischen Revier, hier gibt es ein Neben-, manchmal ein Gegeneinander, und kein gemeinsames Verständnis vom Ziel.

Wie kommt man dahin? Im Workshop zeichnete sich ein möglicher Weg ab, aus der Erinnerung an wertvolle Vorarbeiten aus der Zeit vor der Pandemie. Die damals diskutierten Leitsätze zielten auf ein verbindendes programmatisches Profil ab, das einen breiten Begriff von nachhaltiger Entwicklung zu Grunde legt. Das Beratungsformat für diese Konzeptarbeit war der Zivilgesellschaftliche Koordinierungskreis Strukturwandel. Auch eine Rechtsstruktur für eine wirksame Außenvertretung hatte sich gebildet, der Verein "Aktion für nachhaltigen Strukturwandel e.V.".

Vielleicht lässt sich an diese Vorarbeiten anknüpfen? Es scheint an der Zeit, solche Schritte zu gehen. Denn soll das Engagement wirklich nachhaltig Einfluss auf Regionalpolitik und Regionalentwicklung nehmen, braucht es mehr als ein Sammelsurium schöner Projekte, wie ein Teilnehmer formulierte. Im Workshop entstand die Verabredung, diese Vision weiterzuverfolgen. Es gilt, einfach den Anfang zu machen, mit denen, die wollen. Geborene Mitglieder dieses Vorhabens sind sicherlich die, die schon etwas gegen die Beteiligungslücke unternehmen. Gemeinsam wird es besser gehen.