Was Regenwasser und Wasserkreisläufe mit dem Einstieg in den Arbeitsmarkt zu tun haben

An diesem Vormittag wird fleißig gewerkelt und gekocht. Der Duft von frischem Pfannkuchenteig zieht durch den Flur des Nell-Breuning-Hauses. Mariia, Ivieta und Yuliia braten Hackfleisch an und rühren Quark mit Rosinen an. Dann werden die Pfannkuchen gefüllt. „Das ist ein traditionelles ukrainisches Gericht“, sagt Ivieta. Zwei Räume weiter beweist Sami eine ruhige Hand. Mit einem Bleistift zeichnet er Buchstaben auf ein Holzschild. „Das sieht super aus“, finden seine Mitstreiter Maksym und Khiien. „Green Steps“ ist nach wenigen Minuten zu lesen. „Die Farbe des Schilds passt perfekt zum Projektnamen“, freut sich Maksym.

„Green Steps“ ist ein Pilotprojekt, das sich an Personen im Leistungsbezug nach dem SGB II richtet und sie auf dem Weg in neue berufliche Perspektiven begleitet. Das Besondere: „Es geht darum, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine gute und sichere Arbeit finden, die auch in Zukunft auf dem Arbeitsmarkt etwas zählt“, berichtet Dr. Christina Herrmann, Fachbereichsleitung im Nell-Breuning-Haus. Die Themen Klima, Nachhaltigkeit und Umwelt stehen im Sprachcoaching sowie in der praktischen Umsetzung im Rahmen von Projekten auf dem Lehrplan. „Im Sprachunterricht haben wir uns unter anderem mit den UN-Klimazielen und dem Thema Wasserkreislauf beschäftigt“, sagt Projektmitarbeiterin Nadine Bellingradt-Hannig.
Doch „Green Steps“ geht weit über die Theorie hinaus. So ist aus einer Projektidee heraus nun eine digitale Bewässerungsanlage entstanden, die an diesem Vormittag feierlich eingeweiht wird. Eine Wetterstation misst die Außentemperatur und schaltet sich automatisch ein, sobald die Pflanzen im Beet zu wenig Wasser haben. Die Pumpe, die mit Regenwasser betrieben wird, versorgt das Beet – abgestimmt auf den Bedarf. Die Umsetzung – von der Planung des digitalen Bewässerungssystems über die Fertigstellung eines Beetplans bis zur Umsetzung – wurde unterstützt von Fachanleiter Michael Gabrisch sowie Luke und Jack, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) im Nell-Breuning-Haus absolvieren.
Die Einrichtung in Herzogenrath ist einer von insgesamt fünf erfahrenen Trägern (Nell-Breuning-Haus e. V., WABe e. V., VIA Integration gGmbH, Picco Bella gGmbH und Toni Jansen Sozialwerk e. V.), die das Projekt „Green Steps“ umsetzen. „Wir freuen uns, dass wir als NBH unsere Kompetenzen in dieses Projekt einbringen können. Wir sind ein Haus, das mit vielen Kulturen denkt und arbeitet – und darauf sind wir stolz“, sagt Dr. Christina Herrmann.
Neben der Förderung der beruflichen und sprachlichen Teilhabe steht bei „Green Steps“ auch das soziale Miteinander im Fokus. „Wenn wir etwas zusammen machen, ist das für uns als Gruppe super. Kommunikation und Zusammenarbeit sind ganz wichtig“, meinen die Teilnehmer Maksym und Khiien. Das sieht auch Dr. Christina Herrmann so. „Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben aufgrund ihrer Flucht emotionale Verletzungen, die nun langsam heilen können. In diesem Projekt haben sie die Möglichkeit, ein Stück weit Normalität zu schaffen und können natürlich auch mit den Sozialcoaches über die Dinge sprechen, die sie belasten.“
Und die Bereichsleiterin wagt einen Blick in die Zukunft: „Wir freuen uns, dass das Jobcenter diesen Bedarf erkannt hat, das Projekt verlängert hat und über eine Verstetigung nachdenkt. Wir sehen täglich, wie groß die Bedarfe sind und wünschen uns, dass wir auch weiterhin ein kompetenter Ansprechpartner in diesem Bereich sein zu können.“ Und was sagen Ivieta, Maksym &. Co? „Uns hat der Projekttag sehr viel Spaß gemacht und das Ergebnis ist toll“, sind sich alle Beteiligten sicher.
