Zum Inhalt springen

Nachlese zum 3. Workshop der Reihe „Mind the Gap - Beteiligungslücken im Strukturwandel“:Zwischen sperrigen Mammutprogrammen und isolierten Mikroförderungen: Wie kommt die Zivilgesellschaft an Ressourcen?

14.04.2026 Ressourcenungleichheiten
Die Starken setzen sich durch, gegen die Interessen anderer.
Datum:
14. Apr. 2026
Von:
Thomas Hohenschue

Die Starken setzen sich durch, gegen die Interessen anderer. So ist die Realität im Strukturwandel des Rheinischen Reviers. Demokratie hat aber etwas anderes im Blick. Sie verfolgt einen Ausgleich, fördert Verständigung, erzielt Kompromisse. Im Alltag ungelöst ist daher folgende Frage: Wie lässt sich eine demokratische Beteiligung organisieren, wenn die Ressourcen sehr ungleich verteilt sind? Thema des dritten Workshops von "Mind the Gap".

Grundsätzlich lautet die Lösung: Es gibt öffentliche Fördermittel für Projekte, die den Strukturwandel unterstützen. So logisch das klingt, so bizzar stellt sich die reelle Situation für zivilgesellschaftliche Initiativen und Organisationen dar. Sie haben zurzeit nur die Wahl zwischen überbürokratisierten, viel zu groß denkenden Förderprogrammen wie "STARK" und niedrigschwellig aufgesetzten Mikroförderungen etwa aus dem künftigen "Zukunftsfonds". Für vernetzte, ergebnisoffene, partizipative Vorhaben mit einem mittleren Projektvolumen fehlt schlicht die passende Förderkulisse.

Solange der politische Wille in Düsseldorf nicht da ist, den Nachteil der Zivilgesellschaft beim Zugang zu Ressourcen ernsthaft auszugleichen, stellt sich die Situation sehr unbefriedigend dar. Um ernsthaft neben Großunternehmen, Hochschulen und ähnlich mächtigen Playern zu bestehen, braucht es eine Stärkung der Zivilgesellschaft in ihrer Ausstattung. Landes- und Regionalpolitik verspielen das hohe innovative Potenzial, das in einer wirkkräftigen Beteiligung der Initiativen und Organisationen steckt. Erst ihr Beitrag vollendet den Wandel zu einer lebenswerten, nachhaltig aufgestellten Region.

Solange sich auf den höheren Ebenen wenig bewegt, jenseits der Lippen, die Gegenteiliges versprechen, braucht es kreative Lösungen. Diese könnte zum Beispiel im Aufbau intermediärer Strukturen liegen. Mareike Kursawe, Impulsgeberin des dritten Workshops von "Mind the Gap", arbeitet bei der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW. Diese fördert selbst innovative Projekte wie das Cafe Nr 5 in Berverath. Die Stiftung richtet zurzeit eine Servicestelle ein, die durch Unterstützung, Vernetzung und Bündelung den Zugang zu den sperrigen Mammutprogrammen erleichtern soll.

Darüber hinaus braucht es aber neue Förderlogiken. Bislang zielt die Öffnung des Zugangs zu den Strukturwandelmitteln auf Mikroförderungen ab. Das hilft dem einzelnen Verein, aber unterstützt keine gemeinsame Perspektive. Nachhaltig wirksame Prozesse lassen sich damit nicht gestalten. Unklar ist auch noch, inwieweit zivilgesellschaftliche Blickwinkel bei der Vergabe der Mittel aus dem Zukunftsfonds der ZAR repräsentiert sind. Vielleicht gilt hier wieder: Die Starken setzen sich durch? Offensichtlich besteht großer Beratungsbedarf, um Beteiligungslücken im Strukturwandel zu schließen.