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Politische Bildung & zivilgesellschaftliche Infrastrukturen:Nachlese zum 1. Workshop der Reihe „Mind the Gap - Beteiligungslücken im Strukturwandel“

Politische Bildung & zivilgesellschaftliche Infrastrukturentitel: Wie kommt man vom Kleinklein lokaler oder gruppenbezogener Projekte zu gemeinsamen regionalen Perspektiven?
Datum:
9. März 2026
Von:
Thomas Hohenschue

Die aktuelle Form, den Strukturwandel zu gestalten, verharrt in überkommenen Mustern, wonach Gestaltungsmacht nicht gerne geteilt wird, wenn man sie schon hat. Zugleich gewinnt der Gedanke der Beteiligung der Bevölkerung an den Fragen, die sie betreffen, immer mehr Gewicht. Welche Rolle können Einrichtungen der politischen Bildung, Verbände, lokale Vereine und Initiativen bei dieser Entwicklung spielen und was brauchen sie dafür?

Nele Steffen vom Netzwerkbüro Bildung Rheinisches Revier leuchtete das Feld auf Basis von eigenen Erhebungen aus. Das kommunale Bildungsmonitoring erfasst viele Akteure nicht und erst recht gibt es auf regionaler Ebene keine systematisch gepflegte Datenbasis. Das ist symptomatisch für mehreres. Zum einen gibt es bislang keine Förderstruktur, die auf regionaler Ebene kleinräumige Initiativen einbindet. Zum anderen sind die Akteure selbst eher ansatzweise vernetzt, agieren meist lokal, haben nur einzelne Gruppen im Blick.

So braucht es wohl dringend einen Impuls, ein gemeinsames Dach für die mehr als 200 zivilgesellschaftlichen Akteure im Rheinischen Revier zu bilden. Das würde auch die Repräsentationslücke in regionalen Gremien überwinden helfen, so eine Einschätzung beim Workshop. Mandatierte Personen aus einer echten Dachorganisation hätten ein anderes Gewicht bei der Vertretung als einzelne Akteure, zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.

Als Katalysatoren für forciertes zivilgesellschaftliches Engagement im Strukturwandel kamen so genannte "Dritte Orte" wie Gleis 11 in Bergheim zur Sprache. Dort entsteht im Miteinander verschiedener Milieus so manches Unverhofftes und Neues, das die Diskussion um regionale Entwicklung bereichern kann. Und es braucht neue Förderlogiken und Förderinstrumente, die den Aufbau von Netzwerken und vernetzten Projekten mit langem Atem unterstützen.

So kann der Qualitätssprung bei der Beteiligung der Zivilgesellschaft gelingen - weg von eher formalen Verfahren, die informieren und konsultieren, hin zu partizipativen Verfahren, die Mitwirkung auf Augenhöhe oder völlig selbstorganisiert absichern. Bei allem Engagement von Menschen, die sich in kommunalen und regionalen Institutionen engagieren, stehen Beharrungskräfte bei mächtigen Interessengruppen diesem Fortschritt entgegen.

Was kann die Zivilgesellschaft selbst beitragen, um die Beteiligungslücken zu überwinden, die im Strukturwandel sichtbar sind? Viel Stoff zum Weiterdenken und Weiterdiskutieren bei den übrigen vier Teilen der Workshopreihe "Mind the Gap". Der Auftakt brachte schon einmal die Musik zum Klingen, die im Thema steckt. Als nächstes steht das Verhältnis von Kommunen und Zivilgesellschaft auf dem Prüfstand. Wo geht was und wo geht was nicht - und wie kann man sich aufeinander zu bewegen?

1. Online-Workshop

Politische Bildung & zivilgesellschaftliche Infrastrukturen

Im Strukturwandel der Kohleausstiegsregionen zeigt sich eine zentrale Beteiligungslücke in der geringen Präsenz von Einrichtungen der politischen Bildung.

Im Strukturwandel der Kohleausstiegsregionen zeigt sich eine Beteiligungslücke in der geringen Präsenz von Einrichtungen der politischen Bildung. Zwar sind Organisationen der politischen Bildung sowie weitere zivilgesellschaftliche Akteure – etwa Bürgerstiftungen oder Freiwilligenagenturen – in den Revieren vorhanden, doch verfügen sie bislang über keine klar definierte Rolle, kein verbindliches Mandat und nur unzureichende Ressourcen.

Die fehlende institutionelle Einbindung und Förderung führt dazu, dass wichtige Potenziale ungenutzt bleiben. Dabei erfüllen diese Akteure zentrale Funktionen für eine demokratische Selbstorganisation, die Bündelung gesellschaftlicher Stimmen, die historische Aufarbeitung der negativen Folgen für Mensch und Natur durch den Tagebau, die Förderung von Innovationen „von unten“ sowie für konstruktive Kritik und Reflexion.

"Wir freuen uns sehr, die Reihe zum Auftakt mit einem Impulsbeitrag zu politischer Bildung und zivilgesellschaftlicher Infrastruktur mitgestalten zu dürfen. Denn im Rheinischen Revier zeigt sich: Einrichtungen der politischen Bildung sind punktuell in der Region aktiv, bislang jedoch oft ohne klar definierte Rolle oder Einbindung in die Steuerungsprozesse. Dabei könnten sie zentrale Funktionen für Orientierung in der Transformation, gesellschaftlichen Dialog und die Mitgestaltung regionaler Zukunft übernehmen" (Nele Steffen).

Impuls: Nele Steffen (NBR - Netzwerkbüro Bildung Rheinisches Revier)

Erster Workshoptermin: 09.03.2026, 13-16:00 Uhr

Seminarnummer S-5576